Bücher und Texte über Überforderung, Grenzen setzen und Selbstfürsorge – für Menschen die viel tragen und wieder zu sich finden möchten.


Schlagwort: Überforderung

  • Warum die besten Vorsätze ausgerechnet zuhause schwinden

    Auf der letzten Etappe der Radtour war ich mir so sicher.

    Das Radfahren würde ich beibehalten. Die Stille, die ich unterwegs gefunden hatte. Die Langsamkeit, mit der ich Entscheidungen getroffen hatte. All das wollte ich mitnehmen – nicht als Urlaubserinnerung, sondern als echte Veränderung.

    Eine Woche später erinnert mich mein Rücken daran, dass ich mich wieder weniger bewege.


    Die Lücke zwischen Erkenntnis und Alltag

    Es ist ein merkwürdiges Phänomen. Unterwegs entsteht Klarheit – oft ganz ohne Anstrengung. Der Kopf ist freier, der Blick weiter, die Gedanken ruhiger. Und in dieser Klarheit entstehen Vorsätze, die sich nicht wie Vorsätze anfühlen. Eher wie selbstverständliche Schlussfolgerungen.

    Und dann kommt das Zuhause. Mit seinen Ablenkungen, seinen Anforderungen, seinem Rhythmus, der schon längst ohne einen weitergelaufen ist.

    Die Vorsätze sind noch da. Aber sie stehen plötzlich in einer langen Schlange hinter allem anderen.


    Was das mit Wegkreuzungen zu tun hat

    Ich denke dabei an das, was mich auf dieser Reise so beschäftigt hat – die Wegkreuzungen. Die Momente, in denen sich entscheidet, wie es weitergeht.

    Auch die Rückkehr in den Alltag ist so eine Kreuzung. Eine stille, unscheinbare. Keine entscheidende Weggabelung mit einem großen Schild. Eher ein Moment, der sich anfühlt wie jeder andere – und in dem man trotzdem wählt. Ob man den Schwung mitnimmt. Oder ob man ihn dem Alltag überlässt.

    Ich merke, dass ich diese Wahl jeden Tag neu treffe. Manchmal bewusst. Oft nicht.


    Kleine Fenster statt großer Pläne

    Was ich gerade lerne – oder besser: wieder lerne – ist, dass Vorsätze keine Willenskraft brauchen. Sie brauchen Struktur. Kleine, konkrete Fenster im Alltag, die ich bewusst freihalte.

    Nicht eine Stunde Radfahren täglich. Sondern: Wann genau fahre ich? Welcher Moment gehört mir – bevor der Tag mich einholt?

    Das klingt banal. Aber der Unterschied zwischen einem guten Vorsatz und einer gelebten Gewohnheit liegt oft genau hier: nicht im Wollen, sondern im Wann.

    Ich arbeite daran. Langsam, ohne Druck.


    Hast du auch schon erlebt, dass Klarheit von unterwegs zuhause schnell wieder verschwimmt? Was hat dir geholfen, etwas davon festzuhalten?

  • Willkommen zurück im Alltag – ob du willst oder nicht

    Vor einer Woche bin ich nach Hause gekommen.

    Das Rad steht wieder in der Ecke. Die Koffer sind ausgepackt. Und der Alltag – er hat nicht gewartet. Er stand schon vor der Tür, als ich ankam. Freundlich, aber bestimmt.

    Ich hatte mir das irgendwie anders vorgestellt.

    Der Schwung, der sich nicht festhalten lässt

    Auf den letzten Etappen der Radtour hatte ich viele Gedanken. Gute Vorsätze, klare Bilder davon, wie es werden soll. Mehr Bewegung im Alltag. Mehr Stille und Genuss für die schönen Momente. Und auch mehr Bewusstsein für das, was wirklich wichtig ist.

    Sie fühlten sich solide an – diese Vorsätze, nicht wie ein frommer Wunsch, sondern wie eine echte Erkenntnis.

    Und dann kam die Realität des Zuhauseseins: Die E-Mails, die aufgeschobenen Aufgaben und dieses Gefühl, dass die Zeit schon wieder knapper ist als gedacht. Der Schwung von unterwegs – er war noch da, aber aber Wunde zunehmend überlagert von dem, was wartete.

    Das kenne ich. Und trotzdem hat es mich überrascht.

    Was der Alltag mit uns macht

    Es ist nicht so, dass der Alltag nur darauf wartet, uns zu stressen. Er ist einfach lauter als in den Auszeiten. Und dann ist er sehr gut darin, die Dinge in den Vordergrund zu schieben, die dringend wirken – auch wenn sie es vielleicht gar nicht sind.

    Was unterwegs klar war, verschwimmt zuhause schnell wieder. Nicht weil die Erkenntnis falsch war, sondern weil der Raum dafür fehlt, in dem sie atmen konnte.

    Ich merke das gerade sehr deutlich. Und ich versuche, nicht zu hart damit zu sein.

    Leichtigkeit als Absicht

    Was ich mitnehmen möchte von dieser Reise – nicht als Vorsatz, sondern als Haltung – ist Leichtigkeit. Nicht die Leichtigkeit, die bedeutet, dass alles einfach ist. Sondern die, die entsteht, wenn man aufhört, alles schwerer zu machen als es sein muss.

    Das ist leichter gesagt als getan. Ich weiß das.

    Aber ich glaube, es beginnt mit kleinen Momenten. Mit dem bewussten Innehalten, bevor man in den nächsten Aufgabenmodus rutscht. Mit der Frage: Muss das wirklich jetzt sein – oder glaube ich das nur?

    Der Alltag ist zurück. Aber vielleicht darf er sich ein bisschen verändern. Langsam, ohne großen Anlauf.

    Das wäre für’s Erste genug.


    Kennst du das – diesen Moment, wenn der Schwung einer besonderen Zeit auf den Alltag trifft? Was hilft dir, etwas davon festzuhalten?

  • Was eine Reise mit Beziehungen macht

    Unterwegs sein verändert den Blick nicht nur auf Landschaften und Orte – sondern auch auf Menschen um uns herum.

    Wenn der Alltag wegfällt, fällt auch das unterschwellige Rauschen weg, das so vieles überdeckt. Die Termine, die Aufgaben, das ständige Nebeneinander-Herfunktionieren. Was dann mit einem Mal sichtbar wird, ist oft überraschend klar: Wen vermisse ich wirklich? Wer fehlt mir – und wer nicht so sehr, wie ich gedacht hätte?

    Diese Fragen kommen nicht plötzlich, sie entstehen auf dem Weg, irgendwo zwischen zwei Etappen.


    Distanz zeigt, was trägt

    Es klingt wirklich paradox: Abstand zu nehmen, um klarer zu sehen. Aber ich erlebe es gerade sehr deutlich.

    Wenn ich nicht mittendrin bin, erkenne ich besser, welche Beziehungen mich tragen – und welche mich langsam erschöpfen. Diese Menschen haben sich nicht verändert. Inzwischen habe ich einfach den Raum, genauer hinzuspüren.

    Beziehungen sind wie Wegstrecken. Manche fühlen sich leicht an, auch wenn sie anspruchsvoll sind. Andere ziehen an einem, ohne dass genau benannt werden kann, warum das so ist.


    Was Überforderung mit Beziehungen zu tun hat

    Ich merke, dass mich dieses Thema nicht loslässt – auch unterwegs nicht. Wie viel Erschöpfung entsteht eigentlich in unseren Beziehungen? Nicht durch bösen Willen, sondern durch zu viel Nähe ohne Klarheit. Durch unausgesprochene Erwartungen. Durch das Gefühl, immer verfügbar sein zu müssen.

    Das beschäftigt mich. Und ich ahne, dass daraus etwas wird – ein nächster Gedankenstrang, der sich langsam formt.

    Noch ist es keine fertige Idee. Nur ein Gefühl, das ich in diesem Moment festhalten möchte.


    Was die Reise lehrt

    Eine Reise macht keine Beziehungen besser oder schlechter. Aber sie schafft Klarheit darüber, wo wir stehen. Was wir uns wünschen und was wir brauchen – und was vielleicht zu viel Raum einnimmt.

    Hast du schon einmal durch Abstand klarer gesehen, was dir in einer Beziehung wirklich wichtig ist?

    Das ist kein Urteil über die Menschen in meinem Leben. Es ist eine neue Erkenntnis, die sich in mir formt.

    Auch das gehört zum Unterwegssein dazu: nicht nur Kilometer sammeln, sondern Erkenntnisse. Über die Welt da draußen – und über das, was innen ist.


    Ich bin noch auf dem Weg. Meine Gedanken verdichten sich und dennoch fühle ich mich frei durch die Erkenntnisse, die ich auf dieser Reise sammeln darf.

    Hast du schon einmal durch Abstand klarer gesehen, was dir in einer Beziehung wirklich wichtig ist?

  • Loslassen lernt man nicht im Stehen

    Was passiert, wenn der Alltag einfach aufhört

    Das ist das Erste, was ich gemerkt habe. Das Rad wird gepackt, du fährst los – und der Alltag fährt eine Weile mit. Die offenen To-dos, die ungelesenen Nachrichten, das leise Gefühl, eigentlich noch etwas erledigen zu müssen. Der Kopf braucht länger als die Beine, um anzukommen.

    Ich hatte das erwartet. Und trotzdem hat es mich überrascht, wie hartnäckig das ist.


    Der Alltag sitzt im Kopf, nicht im Kalender

    Loslassen klingt viel leichter, als es tatsächlich ist. Es ist gibt keinen Schalter, der einfach umlegt wird. Es ist eher ein langsamer Prozess – wie wenn sich der Nebel langsam auflöst. Erst nach einigen Stunden auf dem Rad, irgendwo zwischen dem dritten und vierten Anstieg, merke ich: Die Gedanken werden ruhiger. Nicht leer. Nur ruhiger.

    Was bleibt, wenn der Alltag wegfällt, ist überraschend schlicht: die Straße vor mir, der Wind, die Frage nach dem nächsten Stopp.

    Das fühlt sich im ersten Moment fast seltsam an. Fast schon zu wenig dessen, was ich ansonsten von meinem Alltag her gewohnt bin.


    Was Bewegung mit dem Kopf macht

    Ich glaube, es hat mit dem Rhythmus zu tun. Treten, atmen, schauen. Immer wieder. Der Körper übernimmt eine Aufgabe, und der Kopf darf loslassen – er darf loslassen, weil sich nun der Fokus verändert.

    Genau in diesen Momenten kommen die Gedanken, die ich für das Buch brauche. Ich denke nicht aktiv darüber nach, sondern ich habe aufgehört, es zu versuchen.

    Das erinnert mich an etwas, das ich immer wieder beobachte: Die wirklich wichtigen Erkenntnisse kommen selten unter Druck. Sie kommen, wenn wir dem Raum lassen und bereit dafür sind.


    Was das mit Wegkreuzungen zu tun hat

    Loslassen ist keine Pause vom Leben. Es ist ein Teil davon.

    Wer nie innehält, wer nie aus dem Alltagsrhythmus heraustritt, dem fällt es schwer zu erkennen, wo er eigentlich steht. Welchen Weg er gerade geht und ob dieser Weg noch der eigene ist.

    Genau das beschäftigt mich auf dieser Reise – und genau das wird das Thema meines nächsten Buches sein. Es geht nicht um das große Innehalten, es geht um das kleine, stille: kurz aufschauen. Schauen, wo man steht. Und dann bewusst weitergehen.


    Ich bin noch unterwegs. Die Gedanken sammeln sich langsam.

    Wann hast du zuletzt wirklich losgelassen – und was ist dann passiert?