Bücher und Texte über Überforderung, Grenzen setzen und Selbstfürsorge – für Menschen die viel tragen und wieder zu sich finden möchten.


Schlagwort: Innere Stabilität

  • Loslassen lernt man nicht im Stehen

    Was passiert, wenn der Alltag einfach aufhört

    Das ist das Erste, was ich gemerkt habe. Das Rad wird gepackt, du fährst los – und der Alltag fährt eine Weile mit. Die offenen To-dos, die ungelesenen Nachrichten, das leise Gefühl, eigentlich noch etwas erledigen zu müssen. Der Kopf braucht länger als die Beine, um anzukommen.

    Ich hatte das erwartet. Und trotzdem hat es mich überrascht, wie hartnäckig das ist.


    Der Alltag sitzt im Kopf, nicht im Kalender

    Loslassen klingt viel leichter, als es tatsächlich ist. Es ist gibt keinen Schalter, der einfach umlegt wird. Es ist eher ein langsamer Prozess – wie wenn sich der Nebel langsam auflöst. Erst nach einigen Stunden auf dem Rad, irgendwo zwischen dem dritten und vierten Anstieg, merke ich: Die Gedanken werden ruhiger. Nicht leer. Nur ruhiger.

    Was bleibt, wenn der Alltag wegfällt, ist überraschend schlicht: die Straße vor mir, der Wind, die Frage nach dem nächsten Stopp.

    Das fühlt sich im ersten Moment fast seltsam an. Fast schon zu wenig dessen, was ich ansonsten von meinem Alltag her gewohnt bin.


    Was Bewegung mit dem Kopf macht

    Ich glaube, es hat mit dem Rhythmus zu tun. Treten, atmen, schauen. Immer wieder. Der Körper übernimmt eine Aufgabe, und der Kopf darf loslassen – er darf loslassen, weil sich nun der Fokus verändert.

    Genau in diesen Momenten kommen die Gedanken, die ich für das Buch brauche. Ich denke nicht aktiv darüber nach, sondern ich habe aufgehört, es zu versuchen.

    Das erinnert mich an etwas, das ich immer wieder beobachte: Die wirklich wichtigen Erkenntnisse kommen selten unter Druck. Sie kommen, wenn wir dem Raum lassen und bereit dafür sind.


    Was das mit Wegkreuzungen zu tun hat

    Loslassen ist keine Pause vom Leben. Es ist ein Teil davon.

    Wer nie innehält, wer nie aus dem Alltagsrhythmus heraustritt, dem fällt es schwer zu erkennen, wo er eigentlich steht. Welchen Weg er gerade geht und ob dieser Weg noch der eigene ist.

    Genau das beschäftigt mich auf dieser Reise – und genau das wird das Thema meines nächsten Buches sein. Es geht nicht um das große Innehalten, es geht um das kleine, stille: kurz aufschauen. Schauen, wo man steht. Und dann bewusst weitergehen.


    Ich bin noch unterwegs. Die Gedanken sammeln sich langsam.

    Wann hast du zuletzt wirklich losgelassen – und was ist dann passiert?