Warum nicht aufgebrochen bin – und was auf diesem Weg entstehen
Es gibt Momente, in denen das Leben nach Veränderung ruft. Es flüstert nur in dir wie ein unscheinbares Ziehen, das sich schwer benennen lässt – aber deutlich spürbar ist, wenn man still genug ist, um es zu hören.
Genau so war es bei mir.
Der Punkt, an dem etwas deutlicher wurde
Ich hatte nicht das Gefühl, dass irgendetwas grundlegend falsch lief. Es gab keinen großen Einbruch, keine Krise. Eher das Gegenteil: ein voller Alltag, viele Aufgaben, vieles, das funktioniert. Und doch – irgendwo zwischen all dem Funktionieren – die innere Frage: Wohin führt das eigentlich?
Ich kenne dieses Gefühl aus meiner früheren Arbeit. Es taucht auf, wenn Menschen lange im Modus des Reagierens leben, ohne innezuhalten. Wenn der Weg so selbstverständlich weitergeführt wird, dass niemand mehr fragt, ob es noch der eigene ist.
Und diese Mal war ich selbst gemeint.
Eine Reise, die wörtlich nimmt, was ich meine
Also bin ich aufgebrochen. Mit dem Rad. Durch Deutschland.
Eine radtour an sich liefert keine Antworten, sondern sie tut etwas für mich, das ich sehr schätze: Sie macht Entscheidungen sichtbar. An jeder Kreuzung gibt es nur eine Frage – links, rechts, geradeaus? Und je nachdem, was ich wähle, sehe ich andere Landschaften, begegne anderen Menschen, erlebe einen anderen Tag.
Was sich auf dem Rad so selbstverständlich anfühlt, ist im Leben oft das Schwerste: zu erkennen, dass man an einem Punkt angekommen ist, an dem eine Entscheidung ansteht. Dass der Weg nicht einfach weitergeht – sondern sich verzweigt.
Was auf diesem Weg entsteht
Diese Reise ist nicht nur Bewegung. Sie ist auch Beobachtung.
An den Wegkreuzungen, an denen ich kurz halte, um nachzuschauen welche Richtung ich einschlagen möchte – da entstehen Gedanken über Momente im Leben, die sich anfühlen wie solche Kreuzungen. Über Entscheidungen, die leise fallen, aber lange nachwirken. Über das, was wir wählen – und das, was wir lassen.
Aus diesen Gedanken wird ein Buch.
Es wird davon handeln, wie bestimmte Etappen im Leben für Wegkreuzungen stehen – für Punkte, an denen sich etwas entscheidet, das den weiteren Lebensweg prägt, als Wendepunkte, die man nicht immer erkennt. Sondern oft als stille Momente, die erst im Rückblick bestanden werden.
Ich schreibe unterwegs. In Rohform, ohne Perfektion. Das Ordnen und Formen kommt später.
Was mich antreibt
Ich glaube daran, dass es hilft, wenn wir lernen, Wegkreuzungen zu erkennen – bevor wir an ihnen vorbeigehen, ohne es zu merken. Bevor wir Jahre später feststellen, dass wir schon lange auf einem Weg sind, den wir gar nicht bewusst gewählt haben.
Das ist kein Vorwurf. Es ist ein Angebot: Hinschauen. Innehalten. Wählen.
Genau das möchte ich mit diesem neuen Buch ermöglichen.
Ich werde hin und wieder von unterwegs berichten – nicht regelmäßig, aber ehrlich. Über das, was ich sehe. Über das, was mich bewegt. Und über das, was sich langsam zu einem Buch zusammenfügt.